Marzahn
| Geschichte | Wie alles begann |
Marzahn - ein neuer Stadtbezirk |
Die Wendezeit |
FRIEDENSHORT heute |
Der Bezirk Marzahn feierte im 45. Jubiläumsjahr der Wohnungsgenossenschaft FRIEDENSHORT sein 20jähriges Bestehen. Die Geschichte und Entwicklung beider sind eng miteinander verknüpft. Damals als jüngster und 9. Stadtbezirk der ehemaligen DDR-Hauptstadt geplant, begann 1978 der so genannte Massenwohnungsbau auf der grünen Wiese.
Die Wohnbauten, die heute eine Stadt mit 130.000 Einwohnern beherbergen, errichteten vorzugsweise Berliner Bauleute aus dem WBK Berlin. Bauarbeiter aus anderen Bezirken der DDR hatten an den Häusern der damaligen AWG "FRIEDENSHORT" keinen Anteil.
Als Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft des Berliner Bauwesens konnte sie in diesen Jahren einen rasanten Zuwachs verzeichnen. Von 1978 bis 1982 wurden im neuen Stadtbezirk 6.459 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 403.000 m² für die Mitglieder übernommen.
War am Anfang die generelle Akzeptanz für ein Wohnen in Marzahn noch gering, so überwog bei den meisten heutigen Marzahnern doch die Ansicht, die bisherige Altbauwohnung in der Innenstadt mit Hinterhof, Ofenheizung und Außen-WC gegen eine moderne Neubauwohnung tauschen zu können. Für viele junge Familien wurde der Traum von den eigenen 4 Wänden in Marzahn erst richtig wahr.
Gummistiefelzeit
Die Berliner nahmen dafür längere Arbeitswege bei noch geringer Verkehrserschließung und umständlichen Fahrten zu den entfernt liegenden Kindereinrichtungen und anfangs einer Art Notversorgung mit Lebensmitteln in Flachbaracken (später SERO) in Kauf. Ganz zu schweigen von dem bekannten Erkennungszeichen der Marzahner, den Schlammresten.
Auch für die Kinder war diese Zeit abenteuerlich. Sie konnten auf dem Weg zur Schule und nach Hause über Gräben springen, Berge klettern und am Nachmittag mit Sand, Steinen, Stöcken und Brettern spielen. Die heute 20- oder 25jährigen Marzahner sind die Kinder von damals und erinnern sich gern an die urwüchsigen Zeiten. Deren Kinder "dürfen nur" auf den Spielplatz gehen. Trotzdem schätzen die Marzahner Eltern den Umfragen zufolge die Bedingungen im Bezirk als kinderfreundlich ein. Viel Grün, reichlich Freiraum. Auch die neuen Spielplätze der Vermieter schaffen Vorteile zu innerstädtischen Lagen.
Umzug der Geschäftsstelle
Mit der wachsenden AWG entstanden im Laufe der Jahre verschiedene Geschäftsstellen, verstreut im Stadtgebiet. Das war sowohl für die Genossenschafter als auch für die Mitarbeiter sehr belastend und uneffektiv. 1980 erfolgte daher mit dem Umzug nach Marzahn die Zentralisierung der Geschäftstätigkeit. Die Mitglieder und Mitarbeiter der AWG fanden im neuen Gebäude am Murtzaner Ring 43 bessere Bedingungen für ein genossenschaftliches Miteinander, Beratung und Information. Dies war seinerzeit von besonderer Bedeutung, da die vom Finalproduzenten (WBK) und der AWG zu tätigende Mängelbeseitigung im Vordergrund der Arbeit stand. Bekanntermaßen kam es zu Übergabeverzögerungen durch Erschließungs- und Qualitätsproblemen. In der neuen, zentralen Geschäftsstelle konnten Regress- und Garantieleistungen besonders nach Übernahme der Objekte, effektiver begleitet werden.
Territoriale Bestandsführung
Um die Wohnungen in den verschiedenen Bezirken rationell bewirtschaften zu können, war eine territoriale Konzentration geplant. Im Amtsdeutsch hieß das "Territoriale Entflechtung" und basierte auf dem Magistratsbeschluss 103/1981. Ziel der Aktion war, 1982 alle genossenschaftlichen Wohnungsbestände bezirklich zusammenzufassen und zuzuordnen. Für die AWG "FRIEDENSHORT" bedeutete dies die Abgabe ihrer Wohnungen in Pankow, Lichtenberg, Mitte, Treptow und Weißensee an dort Ansässige.
Es fand also ein Austausch statt. Hintergrund war, dass die Tätigkeit der AWG in die "Planung und Leitung der Stadtbezirke" einbezogen werden sollte. In den Folgejahren resultierte daraus die Bilanzzuteilung für Werterhaltungskapazitäten, die den Bedarf nie deckten. Die bisherigen Rücklagen der AWG (Reparaturfonds) waren dem Staatshaushalt zuzuführen.


